Komplexe gesellschaftliche und politische Aushandlungsprozesse werden seit Jahren zunehmend an Gerichte delegiert. Diese erscheinen in pluralen Gesellschaften als neutrale Autoritäten, zugleich geraten Richter:innen als Individuen in den Blick: Wer sind die Menschen, die über Recht und Ordnung entscheiden – und wie verstehen sie ihre eigene Rolle?
Zu diesem Thema wird Benedikt Surmann – wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Diversity in Law – bei der 66. Jungen Tagung Öffentliches Recht am 21.05.2026 bei dem Panel »Methodische Zugänge zu den Gerichten« vortragen. Während sich öffentliche Debatten meist auf die höchsten Gerichte konzentrieren, wird der normative Rahmen des Zusammenlebens tagtäglich durch tausende Richter:innen an Amts-, Land- und Oberlandesgerichten in unzähligen Einzelfallentscheidungen geprägt. Der Vortrag fragt daher, wie Richter:innen ihre Rolle verstehen: als ordnungssichernde Autorität, moderierende Instanz oder aktiv Mitgestaltende gesellschaftlicher Entwicklungen
Grundlage ist eine laufende Umfrage mit bislang über 750 teilnehmenden Richter:innen der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Die Studie knüpft an die Richtersoziologie der 1970er Jahre an – Stichwort »Klassenjustiz« – und versucht, ein aktuelleres Bild der Richterschaft zu zeichnen. Erste Ergebnisse deuten auf eine vielfältigere und in Teilen progressivere Zusammensetzung hin. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Richterschaft weiterhin stark von bildungsbürgerlichen Hintergründen geprägt ist.
Weitere Informationen sowie das Programm der Tagung sind auf der Webseite der Universität Göttingen verfügbar.
